Annette Focks


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Annette Focks wurde in Thuine, Niedersachsen, geboren und wuchs in Lingen/Ems auf. Als Vierjährige lernte sie in der musikalischen Früherziehung, Noten zu lesen, mit fünf hatte sie Klavierunterricht. Später kamen Orgel, Trompete und Schlagzeug dazu. Im Alter von zehn Jahren schrieb sie ihre ersten Kompositionen, noch als als Schülerin bestand sie die D- und C-Organistenprüfung. Bereits mit 15 wurde sie festangestellte Organistin und Chorleiterin in der Johannesgemeinde Lingen.

Nach dem Abitur studierte sie von 1985 bis 1993 an der Musikhochschule Köln: im Hauptfach Klavier, dazu Komposition, Trompete, Schlagzeug, Gesang, Jazzarrangement, Musical, Orchestration und Dirigat. Hinzu kam privater Unterricht, unter anderem in Bigband-Arrangement. Zugleich musizierte Annette Focks in etlichen Bands: Sie sang, spielte allerlei Instrumente, komponierte Songs. Das Spektrum reichte von Pop über Jazz bis zu Rock und Punk. Mit der Band »Die Weissen Männer« nahm sie zwei Alben auf.

Als sie den Abschlussfilm einer Filmstudentin vertonte, begeisterte sie sich für das Zusammenspiel von Bild und Ton - Filmmusik wurde zum Berufsziel. 1994/95 war sie jeweils Stipendiatin der European Biennial for Music, belegte diverse Kurse, unter anderem beim oscargekürten Sound-Designer Randy Thom (»Forrest Gump«). 1995 bestand sie die Aufnahmeprüfung an der Filmakademie Ludwigsburg, entschied sich jedoch fürs Kompositionsstudium für Film und Fernsehen an der Hochschule für Theater und Musik in München. Dieses Studium schloss sie 1998 samt Diplom mit Auszeichnung ab. Ein Workshop bei Hollywood-Orchestrator Steven Scott Smalley (»Batman«) rundete ihre breite und umfassende Ausbildung weiter ab. Seit Mitte der 90er Jahre hat Annette Focks mehr als 70 Filme vertont.

Ihr Spektrum reicht vom emotionalem Drama mit warmem Orchesterklang (»John Rabe«, 2009) über farbenfroh-spielerische Animationsfilmmusik (»Oh wie schön ist Panama«, 2006) und jazzigen Bigband-Sound (»Ein fliehendes Pferd«, 2007) bis zum Action-Soundtrack inklusive Zulu-Gesängen und ethnischer Percussion (»Die drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel«, 2007).
Mal setzt sie auf eine farbenschillernde Klangpalette mit großem Orchester, Chor, alten Flöten, Gambe und Elektronik-Grooves (»Krabat«, 2008), mal schreibt sie nur für ein Streichquartett (»Der Archtitekt«, 2009). Sie untermalt Komödien mit transparentem Touch (»Als Großvater Rita Hayworth liebte«, 1999) und ernsthafte zeitgeschichtliche Stoffe mit getragenen Cello-Soli (»Marcel Reich Ranicki: Mein Leben«, 2009). Sie hat ein Händchen für frische Ohrwurmthemen (»Die wilden Hühner«, 2005), für »Vier Minuten« (2006) entstand eigens ein aufsehenerregendes Klavierkonzert. Auch schreibt Annette Focks Musik für Fernsehfilme von Rainer Kaufmann, Dagmar Hirtz, Vivian Naefe und Markus Imboden, sie hat etliche Folgen der preisgekrönten Krimiserie »Bella Block« musikalisch gestaltet, ebenso alle 26 Folgen der Janosch-Zeichentrickserie »Papa Löwe und die sieben glücklichen Kinder«.

2005 erhielt Annette Focks den Deutschen Fernsehpreis in der Sparte Beste Musik für gleich fünf Filme (u.a. »Marias letzte Reise«, »Die Kirschenkönigin«, »Bella Block«), 2007 war sie für den Europäischen Filmpreis nominiert (»Vier Minuten«), und auf dem internationalen Musik- und Kinofestival in Auxerre erhielt sie den Großen Preis der Jury - aus den Händen von Filmmusik-Legende John Barry. 2008 war sie für den Deutschen Filmpreis nominiert (»Ein fliehendes Pferd«), ebenso 2009 (»Krabat«).

Neben ihrer reichhaltigen Arbeit für Kino und Fernsehen schreibt Annette Focks Konzertwerke für Orchester und Kammermusik-Ensemble. So wurde ihr Cellokonzert »Ein musikalischer Brief ohne Worte«, eine Auftragsarbeit des Mozartfestivals Augsburg, im Mai 2008 mit der Münchner Solistin Anja Lechner und der Bayerischen Kammerphilhamonie unter David Stern uraufgeführt.